FEED YOUR TINNITUS!

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Samstag 13 Dezember 2014 20:30

• Eröffnungsrede vom 05. Dezember 2014 im artclub, Köln
 
Im Projektraum Kabinett hat der Künstler Thomas Zydek eine Art künstlerisches Gruselkabinett installiert, das visuellen Krach schlagen soll, optischen Lärm erzeugen soll und uns quasi laut schreiend begegnet. „Feed your Tinnitus!“ hat er seine intensive Ausstellung betitelt, die bizarre digitale Portraits in einer umlaufenden Wandcollage zeigt.
Oft deutet nur die Kopfform an, dass es ein Gesicht sein könnte; schrille und groteske, teilweise angsteinflößende Monster aus der Zwischenwelt bevölkern in wilder, aber sehr adäquater Hängung den Raum und verwandeln ihn zu einer Art Kunst-Geisterbahn. In vielen Arbeitsschritten entstehen am Computer diese fremden und entmenschlichten Gesichter, ihre Fratzen zeigen, in was sie medialer Überfluss, beschleunigtes Leben und Übersättigung verwandelt haben. Eine schreckliche Metamorphose hat stattgefunden und die Menschen verändert – und nicht zum Positiven oder Besseren. Außer in der hier gezeigten Ausstellung, wo diese Werke eine sehr moderne, zeitgemäße und neue Position zeigen.
Thomas Zydek hat dafür konsequent alle Vorlagen dem Internet entnommen; Teile von Gesichtern, Zähnen, Augen, technischen Dingen und anderen Elementen hat er als Materialsammlung angelegt, und daraus konstruiert er seine Heavy-Metal-Bilder, denn so versteht er sie – und genau so wirken sie. Sie stellen die Frage, ob und wie wir Menschen als Teil der virtuellen Welt unser Innerstes verändern und verzerren, und zeigen diese Zerrbilder – spannend, krass und ohne jede Beschönigung. Weder nett noch freundlich sind sie, sondern böse, abgründig und lauernd. Alle Wesen werden sich zudem immer ähnlicher; nur noch kleine, unterschiedliche Details in den unmittelbar auf die Wand geklebten Gesichtern weisen auf eine rudimentäre Individualität hin, denn diese geht mehr und mehr verloren in einer Welt, in der sich alle Menschen derselben Technologien, Informationsmedien und Versorgungsquellen bedienen bzw. durch sie konditioniert werden. Es sind kalte und harte Medien, und sie verwandeln uns allmählich in monströse, gierige und emotionslose Wesen. Überhitzte Farben, überdrehte Strukturen, zerrissene Konturen, zerfetzte Seelen-Körper stellen dar, wie Menschsein in der Zukunft sein wird – oder schon ist.
Vielen Dank an Thomas Zydek für eine intelligent vorausschauende, nachdenklich stimmende und völlig dekorationsfreie Ausstellung.
 
Text © Parzival 2014
 
 

MEDIENFRESSER REMIX

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Freitag 9 August 2013 14:06
 
Medienfresser mit Rückendrahtheftung
36 Seiten – 15 x 15 cm – 250 Stück

 

NEUROBLASTO* MAGAZINE 0.6

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Samstag 4 Februar 2012 05:46

Neuroblasto* Magazine @ issuu.com

 

MEDIENFRESSER

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Samstag 4 Februar 2012 05:21

• Eröffnungsrede vom 23. September 2011 im artclub, Köln
 
„Medienfresser“ präsentiert der Künstler Thomas Zydek in seiner Einzelausstellung im Kabinett. Gezeigt werden Fotocollagen, alle auf Dibond gedruckt – erstellt wurden sie in digitaler Arbeitsweise.
Der Künstler will den Irrsinn in der Welt darstellen, den Irrsinn, der über die Medien massenhaft und schonungslos verbreitet wird. Die von ihm dafür erarbeiteten Motive sind heftig, hart, krass, direkt, unmittelbar. Auch von psychologischer Warte aus betrachtet sind die Arbeiten und der künstlerische Ansatz sehr spannend und tiefgehend: Die Menschen haben keinen Bezug mehr zu sich selbst, meint er, zu den Horrorbildern und dem Grauen, das die Medienbilder in uns hineingetragen haben, tief verankert im Unbewussten, wohin wir es verdrängt haben. Wir haben diese Bilder gefressen, geschluckt, gewollt oder ungewollt. In der Tiefe unseres Ichs haben diese Bilder und unsere Kenntnis vom Horror in der Welt ein eigenes Ich erschaffen. Ein Ich, das wir nicht kennen, das wir nicht kennen wollen. Ein Ich, das längst mit Hoffnung auf Besserung und positiver Veränderung abgeschlossen hat. Ein Ich, das seinen Platz verzweifelt sucht.
Thomas Zydek zeigt seine Interpretationen dieses Ichs. Ein Bezug zu diesem „Horror-Ego“ soll entstehen. Es entspricht tatsächlich einem Zeitgeist-Gefühl, dieses Unbehagen, das viele Menschen heute spüren und das stärker wird und mehr und mehr Menschen erfasst. So kann es aussehen, so sieht es aus; insofern sind diese Kunstwerke echte Zeitgeist-Kunstwerke, die auch auffordern, dieses andere Ich in sich zu suchen, zu finden und zu betrachten. Wie sieht mein Horror-Ich aus? Eine Auseinandersetzung, die dem Zeitgeist genauso entspricht wie die Ausstellung selbst.
Vielen Dank für diese anspruchsvolle und tolle Ausstellung an Thomas Zydek.
 
Text © Parzival 2011
 
 

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