VOM VIELFRASS

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Samstag 1 April 2017 01:09

• Eröffnungsrede vom 25. März 2017 im Deutsch-Spanischen Kulturverein, Köln
 
Der Vielfraß ist ein typisches Kind unserer Zeit. Typisch für die einfache Formel „von allem zu viel“. Diese Formel gilt in besonderem Maße für die Medien: Sie dominieren unsere Welt. Es ist schwer, sich ihnen zu entziehen. Sie überfluten uns, lauern uns an jeder Ecke auf, präsentieren sich als stets sprungbereites Raubtier.
In geringen Dosen sind die Medien eine Wohltat, die uns befähigt, über den eigenen Tellerrand zu schauen, informiert zu sein, am Tagesgeschehen teilzuhaben.
Aber: Geringe Dosen mögen die Medien gar nicht, sie wollen omnipräsent sein. Sie fressen uns auf, indem sie uns zwingen, sie zu fressen – wesentlich mehr, als wir verdauen können. Und dieser viel zu volle Info-Bauch führt schnell zu gequälten, verzerrten Gesichtszügen.
Wenn ich eine schlechte Nachricht – etwa über einen Terror-Anschlag – einmal sehe, höre oder lese, ist sie schrecklich, selbstredend. Aber ich kann damit umgehen, sie in ihrer Bedeutung für mein persönliches Leben einordnen. Sie wird sich nicht zu einem übermächtigen Riesen aufblähen. Wenn es mir denn vergönnt wäre, sie nur einmal zur Kenntnis zu nehmen, würde sie das jedenfalls nicht. Aber nein, so ist es nicht. Sie wird mindestens so oft gekaut und eingespeichelt, wie es die Gesundheitsapostel verlangen – 32 Kaubewegungen für jeden einzelnen Bissen. Und aus wie vielen Bissen besteht selbst eine Mini-Medien-Mahlzeit?
Und so ist plötzlich die Bedeutung der einzelnen Nachricht eine ganz andere. Der Terror-Anschlag geschieht jede Minute aufs Neue, aus einem werden unzählige. Und ich fühle es ganz deutlich: Wenn ich das nächste Mal auf die Straße gehe, werde ich ebenfalls das Opfer eines Terror-Anschlags werden. Unausweichlich. So zumindest beeinflussen die Medien meine Grundstimmung.
Aber das Phänomen bezieht sich nicht nur auf schlechte Nachrichten, sondern auf die gesamte Wahrnehmung meines Lebens. Ich schaue viel Fernsehen und sehe nur schöne Menschen. Und ziemlich schnell bekomme ich das klägliche Gefühl, der einzige hässliche Mensch weit und breit zu sein, wenn ich denn in der Welt des Fernsehens lebe. Und ich muss erst in die Fußgängerzone oder ins Centro Machado gehen, um verwundert festzustellen, dass es vielleicht noch mehr Menschen gibt, die nicht unbedingt wie ein Foto-Modell aussehen. Und erst dann kann ich aufatmen und mir meine eigene Existenzberechtigung unterschreiben.
Dasselbe gilt für das beliebte Genre Krimi („sex and crime“): Ich lebe auf Du und Du mit den scheußlichsten Verbrechen – wieder nur eine Frage der Zeit, bis es mich treffen wird.
Fazit: Medien, wie sie heute funktionieren, überfordern den Menschen, nehmen ihm die Ruhe, deformieren ihn, führen zu einer grotesken Verzerrung seiner Gesichtszüge, in denen sich der innere Schrecken offenbart.
Dieses Phänomen hat Thomas Zydek vor nahezu 20 Jahren so für sich entdeckt und begonnen, damit künstlerisch zu arbeiten. Seit etwa 10 Jahren geht er damit an die Öffentlichkeit, seine Werke sind auf vielen Ausstellungen zu sehen.
Zur Technik ist zu sagen: Er bearbeitet Fotos aus dem Internet mit Photoshop, indem er sie übereinander legt. Die Verschmelzung aus verschiedenen Bildern ergibt ein neues, das Ergebnis ist vorher nicht planbar.
Welchen Effekt möchte der Künstler im Idealfall erzielen? Da sind zwei ganz unterschiedliche zu nennen: Zum einen möchte er dazu anregen, den Medien-Konsum zu reduzieren. Zum anderen möchte er seinem eigenen durch die Medien produzierten Schrecken Raum geben, um sich so von ihm distanzieren zu können.
 
Text © Johanna Jasse 2017
 
 

EL GLOTÓN

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Samstag 1 April 2017 01:07

• Discurso de inauguración del 25 de marzo de 2017 en el Centro Cultural Antonio Machado, Colonia
 
El Glotón es una apariencia típica de nuestro tiempo. Típica de la fórmula sencilla „demasiado de todo“. Esta fórmula se aplica en particular a los medios de comunicación: Dominan el mundo.
Es difícil ignorarlos. Ellos nos inundan y están presentes en cada esquina, acechándonos como un depredador hambriento.
En dosis bajas, los medios de comunicación son una bendición que nos permite estar informados y participar en los eventos del día a día para poder mirar más allá de nuestra nariz. Pero las dosis pequeñas no les gustan a los medios de comunicación que quieren estar omnipresentes.
Nos devoran, obligándonos a devorarlos a ellos en una medida mucho más grande de la que podemos digerir. Y este empacho de información conduce a torturados rasgos faciales.
Cuando veo, escucho o leo una mala noticia – por ejemplo un ataque terrorista – me parece horrible, por supuesto. Pero puedo manejarlo, clasificando su importancia para mi vida personal. Por lo menos podría hacerlo, si los medios me permitieran tomar nota sólo una vez. Entonces la noticia no se hincharía tanto hasta convertirse en un gigante todopoderoso. Pero no es así: La noticia por lo menos se mastica y ensaliva tanto como lo piden los obsesionados de la salud, 32 masticaciones por cada bocado.
¿Y cúantos bocados tiene la comida de medios más mínima?
De esta manera, la importancia de cada noticia muy pronto es otra. El atentado ocurre de nuevo a cada minuto, convirtiéndose de uno en muchos.
Yo lo noto muy claro: Cuando la próxima vez salga a la calle, también seré la víctima de un ataque terrorista. Inevitablemente. Es de esta forma como los medios de comunicación afectan a mi estado de ánimo.
Pero el fenómeno no se refiere sólo a las malas noticias, sino a la entera percepción de mi vida. Yo veo mucho la tele y veo solamente gente muy atractiva. Y rápidamente obtengo la sensación lastimosa de ser el único patito feo hasta donde la vista me alcanza. Eso me pasa porque vivo en el mundo de la tele y hace falta que vaya al centro de la ciudad o al Centro Machado para darme cuenta con sorpresa de que a lo mejor hay mas personas que no tienen un aspecto físico de modelo. Sólo entonces puedo respirar y darme permiso para existir.
Lo mismo ocurre con el género popular novela policíaca („sexo y crimen“): Vivo con los crímenes más atroces y otra vez es sólo cuestión de tiempo antes de que me toque a mí.
CONCLUSIÒN: Los medios de comunicación y su forma de trabajar hoy en día abruman a la gente.
Le quitan la tranquilidad, les producen un rostro deformado, conducen a una distorsión grotesca de sus rasgos faciales, en la que se revelan los horrores interiores.
Este fenómeno lo descubrió para si Thomas Zydek hace casi 20 años y comenzó a trabajar con él artísticamente. Desde unos 10 años el público puede ver sus obras en numerosas exposiciones. La técnica consiste en sacar fotos de la Web usando Photoshop, poniéndolas una sobre la otra. La mezcla lleva a unas nuevas imágenes diferentes, el resultado no se puede prever.
¿Qué efecto quiere obtener el artista? Hay dos muy diferentes por nombrar: Por un lado quiere estimular a la gente a que reduzca el consumo de los medios de comunicación. Por otro lado quiere dar espacio a su propio terror para poder distanciarse.
 
Texto y traducción © Johanna Jasse y Yolanda Jordán 2017
 
 

WHY SO hyStERIOUS?

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Samstag 6 August 2016 16:49

• Eröffnungsrede vom 22. Juli 2016 im artclub, Köln
 
„WHY SO hyStERIOUS?“ fragt der Künstler Thomas Zydek, der unter diesem Titel seine Ausstellung im Projektraum Passage präsentiert.
Es ist eine Ausstellung die konsequent digital am Computer entstanden ist. Aus dem Internet hat der Künstler die Vorlagen, die verfremdet und überarbeitet wurden, Köpfe und fremdartige Gesichter sind erkennbar oder lassen sich teilweise nur erahnen, manche hat er vermischt mit Fragmenten mikroskopisch kleiner Lebensformen. Spannend und faszinierend einerseits, verstörend und beängstigend andererseits, führen sie uns in eine fremde Welt mit albtraumhaften Wesen.
Der Künstler unternimmt nicht den Versuch, diese Bilder zu schönen oder ihnen dekorativen Wert beizufügen, krass und gnadenlos, schrill und bizarr lässt Thomas Zydek sie auf die Betrachter los, die sie bewältigen und deuten sollen. Er hat dafür zwei Qualitäten der Präsentation gewählt; zum einen großformatige Poster auf Papier, zum anderen kleinere Formate auf Alu-Dibond. Generell kann aber jedes Bild sowohl als Poster oder als Alu-Dibond hergestellt und erworben werden.
Die Werke stehen in Bezug zur Popkultur, sind eine groteske Form von Pop-Art und zeigen intensive Farbgebungen, welche die Wirkung dieser eindringlichen Werke verstärken. Als „Medienfresser“ hat sie der Künstler einst bezeichnet, entmenschlicht und aufgelöst erscheinen sie. Oft deutet nur die Kopfform an, dass es ein Gesicht sein könnte; ihre Fratzen sollen zeigen, in welche Art von Lebensform sie medialer Überfluß, beschleunigtes Leben und Übersättigung verwandelt haben. Eine schreckliche Metamorphose hat stattgefunden und die Menschen verändert – und nicht zum Positiven oder Besseren. Hervorquellende Augen, fletschende Zähne und auch aggressiv-provokante Mimik herrschen vor. Es sind gleichermaßen Schreckensbilder, die unsere heutige Zeit treffend reflektieren und somit sehr zeitgemäß und modern sind, schrill, bizarr und monströs.
Vielen Dank für eine eindringliche, intensive und sehr beeindruckende Ausstellung an Thomas Zydek.
 
Text © Parzival 2016
 
 

DIE WELT HAT ZÄHNE

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Donnerstag 7 April 2016 21:24

• Ausschnitt aus der Eröffnungsrede vom 19.03.2016 in der Alten Feuerwache, Köln
 
Thomas Zydek zeigt mit digitalen Verzerrungen der digitalen Realität die Zähne. Dort, wo bissige Kommentare und aggressive Hetze exzessiv ausgelebt werden. Vor ein paar Jahren noch hatte der Durchschnittsbürger Angst vor den Leuten, die im Internet Ballerspiele spielen. Jetzt hab ich Angst vor den Durchschnittsbürgern, die ins Facebook gehen oder twittern. Aber ich hab Thomas. Er verzerrt sie alle.
 
Text © Michelle Kluge 2016
 
 

TOILET ART @ braincells.de

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Donnerstag 23 April 2015 21:04

TOILET ART @ braincells.de
TOILET ART @ braincells.de

 

#medienfresser @ instagram.com

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Dienstag 17 März 2015 19:30

#medienfresser @ instagram.com

#medienfresser @ instagram.com

#medienfresser @ instagram.com

 

FEED YOUR TINNITUS!

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Samstag 13 Dezember 2014 20:30

• Eröffnungsrede vom 05. Dezember 2014 im artclub, Köln
 
Im Projektraum Kabinett hat der Künstler Thomas Zydek eine Art künstlerisches Gruselkabinett installiert, das visuellen Krach schlagen soll, optischen Lärm erzeugen soll und uns quasi laut schreiend begegnet. „Feed your Tinnitus!“ hat er seine intensive Ausstellung betitelt, die bizarre digitale Portraits in einer umlaufenden Wandcollage zeigt.
Oft deutet nur die Kopfform an, dass es ein Gesicht sein könnte; schrille und groteske, teilweise angsteinflößende Monster aus der Zwischenwelt bevölkern in wilder, aber sehr adäquater Hängung den Raum und verwandeln ihn zu einer Art Kunst-Geisterbahn. In vielen Arbeitsschritten entstehen am Computer diese fremden und entmenschlichten Gesichter, ihre Fratzen zeigen, in was sie medialer Überfluss, beschleunigtes Leben und Übersättigung verwandelt haben. Eine schreckliche Metamorphose hat stattgefunden und die Menschen verändert – und nicht zum Positiven oder Besseren. Außer in der hier gezeigten Ausstellung, wo diese Werke eine sehr moderne, zeitgemäße und neue Position zeigen.
Thomas Zydek hat dafür konsequent alle Vorlagen dem Internet entnommen; Teile von Gesichtern, Zähnen, Augen, technischen Dingen und anderen Elementen hat er als Materialsammlung angelegt, und daraus konstruiert er seine Heavy-Metal-Bilder, denn so versteht er sie – und genau so wirken sie. Sie stellen die Frage, ob und wie wir Menschen als Teil der virtuellen Welt unser Innerstes verändern und verzerren, und zeigen diese Zerrbilder – spannend, krass und ohne jede Beschönigung. Weder nett noch freundlich sind sie, sondern böse, abgründig und lauernd. Alle Wesen werden sich zudem immer ähnlicher; nur noch kleine, unterschiedliche Details in den unmittelbar auf die Wand geklebten Gesichtern weisen auf eine rudimentäre Individualität hin, denn diese geht mehr und mehr verloren in einer Welt, in der sich alle Menschen derselben Technologien, Informationsmedien und Versorgungsquellen bedienen bzw. durch sie konditioniert werden. Es sind kalte und harte Medien, und sie verwandeln uns allmählich in monströse, gierige und emotionslose Wesen. Überhitzte Farben, überdrehte Strukturen, zerrissene Konturen, zerfetzte Seelen-Körper stellen dar, wie Menschsein in der Zukunft sein wird – oder schon ist.
Vielen Dank an Thomas Zydek für eine intelligent vorausschauende, nachdenklich stimmende und völlig dekorationsfreie Ausstellung.
 
Text © Parzival 2014
 
 

MEDIENFRESSER REMIX

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Freitag 9 August 2013 14:06
 
Medienfresser mit Rückendrahtheftung
36 Seiten – 15 x 15 cm – 250 Stück

 

CONSUMO, ERGO SUM.

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Samstag 4 Februar 2012 05:47

Consumo, ergo sum. @ artcollectorsclub.org
www.artcollectorsclub.org

 

NEUROBLASTO* MAGAZINE 0.6

Posted by Thomas Zydek | Sonstiges | Samstag 4 Februar 2012 05:46

Neuroblasto* Magazine @ issuu.com

 

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